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Der Beginn der Geschichte von St.
Tönis verliert sich im Reich der Legende. Man erzählt sich
von einem Schäfer, der in der einsamen Osterheyde (so hieß
der noch unbewohnte Landstrich ehemals) ein Bildnis des Hl. Antonius
fand. Obwohl er es sicher verwahrte, fand er es nächsten Tags am
gleichen Fundort wieder. Als sich dieses wundersame Erlebnis
wiederholte, beschloss er, dafür zu sorgen, dass an dem Fundort
eine Kapelle zu Ehren des Hl. Antonius errichtet würde. Soweit die
Legende. Urkundlich belegt ist, dass der Kölner Kurfürst Erzbischof Friedrich von Saarwerden - die Osterheide gehörte zum Amt Kempen und damit zum Kurfürstentum Köln - am 10. September 1380 die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle mit Friedhof in der Osterheide erteilte. Dieses in Kempen verfasste Dokument darf als Geburtsurkunde von St. Tönis gelten, denn auf den Fundamenten der damaligen Kapelle steht heute die katholische Pfarrkirche St. Cornelius. Und damit sind die beiden Heiligen genannt, die für St. Tönis von besonderer Bedeutung sind. Während der Hl. Antonius als Ortspatron gilt, übertrug man dem Hl. Cornelius das Pfarrpatronat. Auf einer Urkunde aus dem Jahre 1411 finden wir beide Heiligen abgebildet. Der Name "St. Tönis" schließlich ist vom Namen unseres Ortspatrons abgeleitet und ist im Laufe der Jahrhunderte aus "Neuenrath in der Osterheide", "Sanct Antonius in der Heyde" und "St. Thönihs" entstanden. Rund um die Kapelle und spätere Kirche siedelten sich zumeist Bauern an. Im 17. Jahrhundert erfuhr der Ort einen lebhaften Aufschwung, der wiederum dem Hl. Antonius zu verdanken war. Im weiten Umland herrschten damals verheerende Viehseuchen und die schwer geprüften Bauern suchten Hilfe beim Schutzpatron der Haustiere - beim Hl. Antonius. So wurde aus dem kleinen Dörfchen vorübergehend ein viel besuchter Wallfahrtsort. Die Geschichte von St. Tönis ist wie die seiner
Nachbargemeinden immer wieder von Kriegshandlungen geprägt. Viel
Leid erfuhr die Bevölkerung im Truchsessischen Krieg, in dessen
Verlauf 1585 der Kirchturm einstürzte und die Kirche zum Teil
zerstört wurde. Vermutlich war dies der Anlass dafür, dass
man im Jahre 1607 damit begann, den Ort mit Wall und Graben gegen
feindliche Übergriffe zu schützen.
Doch konnten Wall und Graben nicht verhindern, dass 1642 (im 30jährigen Krieg) nach der Schlacht an der Hückelsmay unser Ort gestürmt und geplündert wurde und Kirche und gerade wieder errichteter Turm in Brand gesteckt wurden.
Das Mertenshaus an der Kirchstraße - heute das älteste äußerlich unveränderte Wohnhaus in St. Tönis - wurde 13 Jahre zuvor erbaut und hat diese Zeit schon erlebt. Fast so alt ist die 1769 errichtete Windmühle an der Gelderner Straße, die man heute als Wahrzeichen unseres Ortes bezeichnen darf. Sie war bis 1945 in Betrieb und trägt seit 1978 wieder ihr im Krieg zerstörtes Flügelkreuz. Als Napoleon das linksrheinische Gebiet besetzte (1794 bis 1814) hieß der Ort vorübergehend "Saint Antoinne" und gehörte zum Arondissement Crefeld. 1815 beendete der Wiener Kongress diesen Spuk und St. Tönis kam zu Preußen; die rund 2.600 Einwohner gehörten zum 1816 gegründeten Kreis Kempen. Eine für die weitere Entwicklung des Ortes wichtige Neuerung ergab sich 1870 mit der Betriebsaufnahme der Crefeld-Kreis-Kempener-Industrie-Eisenbahn (im Volksmund kurz "dä Schluff") mit Bahnhof in St.Tönis. In den Jahren zuvor hatten sich viele Bürger neu angesiedelt, die dem neu aufgekommenen Beruf des Webers nachgingen. Die neue Zugverbindung zur nahen Stadt Krefeld diente so u.a. den Webern, die in Spitzenzeiten an 1.400 Handwebstühlen Auftragsarbeiten für Krefelder Firmen erbrachten. Während der Schluff heute "nur noch" die Nostalgiefreunde
zu Vergnügungsfahrten einlädt, kommt der 1904 in Dienst
gestellten Straßenbahnlinie In dieser Zeit bekam St.Tönis auch ein würdiges Rathaus. 1877 wurde das ehemalige Bauernhaus als "Bürgermeisteramt" in Dienst gestellt. Glücklicherweise 1977 vor dem Abriss bewahrt ist es heute nach gründlicher Renovierung wieder Sitz des Bürgermeisters und die "gute Stube" der Stadt.
Der Zweite Weltkrieg brachte erneut Leid und Zerstörung
über unsere Heimat. Nach amtlichen Aufzeichnungen fielen in St.
Tönis 2.394 Bomben, die 66 Häuser - u.a. das Marienheim
1998 erreichte die Einwohnerzahl die 30.000-Grenze und ist zum
Beginn des neuen Jahrtausends immer noch im Wachstum begriffen, was
wohl als Zeichen dafür gewertet werden darf, dass sich
Tönisvorst zu den lebens- und liebenswerten Wohnorten am
schönen Niederrhein zählen darf. |
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